3 typische Beziehungsprobleme, und wie du sie loswirst

(Von Nicole Lindner)

Es ist schon ziemlich lange her, da steckte ich in einer Beziehung, die mir gar nicht guttat. Während wir anfangs noch wie siamesische Zwillinge zusammenklebten, schlich sich bei mir irgendwann ein Gefühl des Unwohlseins ein, was sich in den kommenden Monaten verstärkte. Nachdem ich die störenden Dinge mehrmals erfolglos angesprochen hatte, resignierte ich und zog mich innerlich zurück – das führte letztlich zur Eiszeit und damit zum Bruch unserer Beziehung.

Heute gehört das zu den schmerzhaftesten Erinnerungen meines Lebens und ich frage mich oft, ob ich nicht doch etwas hätte besser machen können. Verstehe mich jetzt bitte nicht falsch, liebe Leserin bzw. lieber Leser: ich bereue nicht, dass ich Schluss gemacht habe, nur ist mir heute klar, dass ich meinen damaligen Partner in so manchen Dingen wohl zu Unrecht beschuldigt habe, was nicht zuletzt an meiner sehr sensiblen Art liegt, Beziehungen zu führen. Damit bin ich nicht alleine, vielen Feinfühligen ergeht es so (doch Vorsicht, das bedeutet nicht, dass Sensible pauschal „schuld“ sind, wenn eine Beziehung schlecht läuft, also bitte nicht falsch verstehen!).


Nicole Lindner
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Denn – egal ob sensibel oder nicht – du darfst niemals vergessen:

In einer Beziehung stecken immer Zwei und die Verhaltensweisen bzw. Gefühle des anderen hast du nicht in der Hand. Wohl aber deine eigenen.

Und genau hier liegt die Chance, eine auf der Kippe stehende Beziehung vielleicht doch noch ins Positive zu drehen. Schauen wir uns die typischen Beziehungsprobleme einmal näher an:

Beziehungsproblem Nr. 1: Starkes Zuwendungsbedürfnis

Viele Feinfühlige sehnen sich nach Harmonie und Nähe in jeglicher Form. Ein Streit oder Unausgesprochenes kann sie in den Wahnsinn treiben und zu großen Selbstzweifeln führen. Bei mir wurde es beispielsweise immer kritisch, wenn mein Partner mitten in einer Diskussion plötzlich ging und meinte, er brauche jetzt Zeit für sich. Ich schimpfte und tobte, wollte das Problem so schnell wie möglich geklärt haben und lief ihm überall hin nach, um ihn zu konfrontieren. Selbsterklärend, dass das unseren Twist nur noch verschlimmerte.

Heute gehe ich deutlich gelassener mit solchen Situationen um. Haben mein Partner und ich zum Beispiel eine Unstimmigkeit und er fordert mitten im Gespräch eine Auszeit, akzeptiere ich das und sage: „Okay, wann klären wir die Sache dann?“

D.h. wir treffen uns zu einem festgelegten Zeitpunkt wieder und können (hoffentlich!) ohne ausufernde Gefühlswallungen das Problem ausdiskutieren.

In der Zwischenzeit gehe ich eine Runde spazieren oder treibe Sport, um mich abzureagieren (kein Witz: Ich habe auch schon Autoreifen montiert, nur um emotional runterzukommen!!) Zugegeben, diese gemäßigte Reaktion fällt mir immer noch schwer, trotzdem bin ich gefestigt genug, dass ich dem anderen den Wunsch mittlerweile zugestehen kann.

Beziehungsproblem Nr. 2: Ausgeprägte Verletzbarkeit

Feinfühlige reagieren ausgesprochen sensibel auf in ihren Augen unsensible Verhaltensweisen, Mimik oder Gestik des Partners. Mein Freund musste damals nur in Gedanken versunken sein und nicht sofort auf mich reagieren, da unterstellte ich ihm schon mangelnde Liebe. Es kann wirklich anstrengend für beide sein, wenn man es hier nicht schafft, hier eine etwas neutralere Sichtweise zu bekommen. Mein Tipp:

Gestehe dem anderen zu, dass er ein eigenes Leben (und damit verbundene, eigene Gefühle auf ihn betreffende Ereignisse) hat und bringe nicht jede seiner Reaktionen sofort mit dir oder Eurer Liebe in Verbindung.

Manchmal ist dein Gegenüber vielleicht einfach nur müde von der Arbeit, krank oder in Gedanken versunken und reagiert unabsichtlich nicht so, wie du es dir in diesem Moment wünschst. Anstatt dich gekränkt in dein Schneckenhaus zurückzuziehen könntest du ihn alternativ z.B. fragen, ob mit ihm alles okay ist.

Beziehungsproblem Nr. 3: Fehlende Kommunikation

Paare in Beziehungskrisen schweigen sich oft nur noch an oder reiben sich im Streit auf. Beides ungut, dabei ist gerade eine offene Kommunikation und interessiertes Zuhören die absolute Basis für eine gute Beziehung. In meiner damaligen Partnerschaft zog ich mich irgendwann total zurück und vermied jegliche schmerzhafte Diskussion.

Kennst du das vielleicht auch? Dein Partner sagt etwas, du interpretierst unbewusst etwas hinein und reagierst dann auf das, was du interpretiert hast (wichtig: NICHT auf die URSPRÜNGLICH getroffene AUSSAGE!). Das ist sehr wichtig zu unterscheiden. Mein Tipp, um dies zu vermeiden:

Lass deinen Partnerbitte ausreden, höre ihm zu und erwidere: „Du hast gerade das und das (Wiederholung der Aussage) gesagt, ich habe das so und so verstanden (DEINE Interpretation) – ist das richtig?“

So bekommt dein Gegenüber die Chance, eine möglicherweise irrtümlich von dir getroffene Annahme zu korrigieren und du wirst nicht unnötig verletzt.

Ich gebe zu, das nervt anfangs ein wenig, doch die Mühle lohnt sich. Ich verspreche dir, alleine durch diese simple Maßnahme wird sich deine Beziehung enorm verbessern.

Zum Abschluss noch eine ganz persönliche Frage:

Was sind deine Tipps für eine gelungene Partnerschaft?


Nicole Lindner, www.meinweg-deinweg.dewww.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“

2 Kommentare

  1. Ja genau, zuhören und verstehen.!?
    Situation: eine Person kann gut zuhören(hypersensibler Mensch) das Gegenüber hört sich sehr gerne selber reden.
    Was ist hier die Lösung?
    1.Vortrag sanft unterbrechen und neuen Gesprächstermin vereinbaren. 2.Zeitangaben festlegen in der jede Person sprechen darf.
    3. Gegenseitig Fragen stellen

  2. Das ist ein wichtiger Hinweis, die Interpretation.
    Ich höre …. ich verstehe.
    Darüber offen zu sprechen hilft, Vieles sofort aufzuklären was sonst zu Kränkungen und Verletzungen führt, die nicht notwendig wären. Hypersensible Menschen müssen sich immer wieder klar machen, das jeder Mensch anders empfindet, eine andere Ausdrucksweise hat und nicht immer vor hat, sein Gegenüber bewusst zu verletzen.
    Kommunikation ist hier die Lösung und nicht gekränktes Zurückziehen.
    Das betrifft auch Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl.

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