Sieben Redflags für narzisstischen Missbrauch

(Von Manja Kendler)

Über krankhaften Narzissmus und seine Redflags (Warnhinweise) existieren unzählige Publikationen und  bewegende Information im Netz. Für mich als Beraterin im Themenbereich des narzisstischen Missbrauchs notwendiger Lehrinhalt. Bei Betroffenen des narzisstischen Missbrauchs sind die Hintergründe oft individuell und unterschiedlich. Besonders für hochsensitive und empathischen Menschen steht hier eine Herausforderung an.

Empathische Menschen wollen das Licht im anderen sehen und lassen jenes gern die Schatten überstrahlen. Die Dynamiken und Redflags richtig verstehen zu wollen, setzt eine Wertung jener voraus, die ihnen oft fremd sind.

Es gibt über 100 Warnzeichen von narzisstischem Missbrauch.

Jeder kann für sich eine persönliche Liste zusammenstellen. Eine Art Top 10, die er oder sie gern bei anderen nicht wahrhaben möchte. Aus meiner Sicht gibt es noch einen einfacheren Weg, um einen Überblick erhalten. Die folgenden sieben Warnzeichen bieten die Möglichkeit den Fokus weg vom Partner, aber mehr hin zu sich selbst zu legen.

Solltest Du folgende Anzeichen bei Dir entdecken, ist es ratsam, Dich Menschen (nahestehenden Freunden, Coaches, Beratern oder Therapeuten) anzuvertrauen, um Unterstützung zu erhalten.

1. Deine Gefühle werden entwertet oder spielen keine Rolle?
Zugegeben, für Empathen ist dies eine Lebensherausforderung. In zwischenmenschlichen Beziehungen werden Ignoranz und Ablehnung zur psychischen Gewalt. Das schließt aus, dass Partner, Kollegen, Familie oder Freunde grenzenlos alles hinnehmen sollen. Vielfühler sind tendenziell etwas anstrengend für das Umfeld, doch ich rate dazu, sich mit Menschen zu umgeben, die Dich respektvoll behandeln – denen Deine Realität wichtig ist. „Da bist Du zu …“ – Sätze, deuten in erster Linie auf die Grenzen der anderen hin, weniger auf Deine eigenen.

Bei Sätzen wie „Das bildest Du Dir nur ein“ wird es Zeit, Grenzen zu ziehen.

2. Das Gefühl bei Dir: Wie auf rohen Eierschalen zu laufen.
Wenn Du das Gefühl der Verunsicherung in Dir trägst und Du weder weißt, in welche Richtung Du Dich überhaupt bewegen darfst. Wenn Du beginnst durch Dein Leben und Deine Beziehung zu schleichen, wie ein verschrecktes Reh – ohne, dass Du Fehler begehst oder ein Problem hast, zeigt sich hier schon eine Art Flucht-Kampf-Modus.

Dein Körper beginnt in Hab-Acht-Stellung zu sein.

Das ist gefährlicher Stress und pures Seelengift. Du beginnst Dich selbst nicht mehr wahrzunehmen, sondern die Situation nur noch auszuhalten. Dies stellt sicher eine ernstzunehmende Notsituation dar – wenn Du mich fragst!

3. Die Angst in Dir, dass Streitigkeiten das Ende der Beziehung bedeuten könnte.
Das ist der Moment, der jede Beziehung auf Dauer vergiftet. Innensicht, Vertrauen, Ehrlichkeit und damit auch die Möglichkeit Probleme gemeinsam zu klären, sind Grundlage einer guten Beziehung.

Streit kommt in den besten Beziehungen vor – dafür braucht es Streitkultur, Kompatibilität sowie gleiche Augenhöhe.

Wenn Du in Deiner Beziehung beschließt, dass es besser ist, über Gefühle und Bedürfnisse zu schweigen (des Friedens Willen), bedeutet dies für Hochsensible und Empathen, dass das Tor zur Hölle geöffnet wurde. Es ist ein No Go für uns und das Toxischste, was wir uns selbst antun können.

4. Das Gefühl in ihrer/seiner Nähe in Gefahr zu sein.
Jetzt wird’s etwas unheimlich, denn unsere Gefahrenzone ist nicht so weit entfernt für Erregungen sexueller Art. Rein biologisch lässt sich leicht erklären warum – um Überleben zu sichern. Nun sind wir evolutionär davon eher bedroht, zu viele Menschen zu sein. Bei Hochempathen, die gern im tiefsten Schatten ein Licht entdecken, ist es so, dass dieses Gefühl sie regelrecht erdrücken wird. Sei es durch den kalten Blick, die eisige tiefgraue Aura, verbale Attacken oder sonstige nicht abzuschätzende Handlungsweisen beim Gegenüber – finanziell, existenziell und sexuell.

Vertraue Deinem Bauchgefühl!

5. Schuldgefühle
Wenn Du Deine eigenen Baustellen im Blick hast und wie ich dazu neigst, selbstreflektiert durch das Leben zu gehen, hast Du sicherlich einen guten Blick für Deine Macken und Fehler. Genauso über die Beziehung. Du denkst alles einmal durch und fragst dann nach. Wenn dann die Lösung bedeutet, dass Du die Schuld selbst trägst oder Du zu viel Verantwortung verlangst, liegt es in den meisten Fällen nicht an Dir!   

6. Dein Leben findet später statt.
Narzisstische Menschen sind vereinnahmend und man läuft die Gefahr sich danach auszurichten. Der Harmonie zu liebe schaut man zunächst wie das Gegenüber drauf ist, ehe man das Gefühl für sich selbst überprüft.

Sitzt Du stundenlang vor einem Menschen, der seine Probleme nicht lösen möchte?

Es ihm aber Energie und Aufmerksamkeit gibt, wenn Du damit beschäftigt bist?

7. Du ertappst Dich dabei, nach narzisstischen Zügen im Internet zu suchen.
Was ist Narzissmus? Ist er ein Narzisst? Handelt sie narzisstisch? Wie gehst Du mit Energieräubern um? Ich empfinde die Aufklärung über das Thema breit und vielfältig. Schutzgärtnertipp:

Wichtige Links abspeichern, denn es braucht Zeit, die Infos ankommen zulassen.


 

Manja Kendler
Spririt-Coach
www.manjakendler.de
www.schutzgarten.com

4 Kommentare

  1. Ich wusste nur, dass mich der Typ stresst. Und dass jegliche Kommunikation mit ihm schwierig bis unmöglich war. Da war unser gemeinsames Kind 2.5.
    Auf Eierschalen war ich als Kind schon in der Nähe meiner Mutter gegangen. …
    Heute nehme ich keine Telefonanrufe von ihm mehr entgegen. Wenn er irgend eine Info will, dann soll er sie sich bei den behandelnden Ärzten, der Schule, des Horts, des Karatelehrers unseres Sohnes holen.
    Ich fahre mit diesem Konzept ziemlich gut, bekomme trotzdem noch eine Menge Infos mit, die ich lieber nicht wüsste.

    1. Das kenne ich zu gut. Ich bin nach 34 Ehejahren aus der Beziehung vor 10 Monaten ausgestiegen. Das es so schwer wird, habe ich nicht gedacht. Bis heute, obwohl er schon wieder eine neue Partnerin hat, die Zweite innerhalb von 6 Monaten, lässt er mich nicht in Ruhe. Immer wieder ruft er an. Meist wertet er mich und unsere gemeinsamen Söhne ab. Er ist das große Opfer, finanziell ruiniert und überhaupt geht es ihm ja so schlecht. Immer wenn ich mich ein bisschen erhole, zieht er mich wieder in seine dunkle Ecke um mir weh zu tun.

      1. Hallo Margit,

        das Problem kenne ich auch als Mann, bei uns sind die Seiten nur genau anders rum verteilt.

        Und es ist so schwer, aus dieser Konditionierung raus zu kommen.

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