Der Weg zur Selbstbestimmung

(Von Maha Kama)

Eine Unabhängigkeit zu finden, die nichts mit unserem materiellen Glück zu tun hat und dennoch der Unabhängigkeit von Staat und Geld vorausgeht, ist heute immer weniger vorstellbar. Finanziell frei zu sein, bedeutet uneingeschränkten Konsum. Sind wir dann noch selbstbestimmt? Und wenn nicht, brauchen wir ein hohes Budget dafür? Das ist schwierig zu beantworten, besonders wenn man seine Lebensaufgabe erst noch finden muss. Woher weiß ich, wann ich selbstbestimmt bin? Was ist dabei so schwierig? Und warum verlieren wir uns meistens auf dem Weg zur Selbstbestimmung?

Zunächst ist festzuhalten, dass der Weg in zwei Richtungen verläuft.

  1. Von Außen nach Innen (Suche nach der Einheit von Selbst und Bestimmung)
  2. Von Innen nach Außen ( Selbstbestimmung)

Die Suche nach der Einheit von Selbst und Bestimmung kann nur auf dem Weg nach innen erfolgen. Die Frage nach: „Was will ich eigentlich in diesem Leben wirklich tun“ ist der erste Schlüssel, der zum Kern führt. Wenn ein Mensch seine Lebensaufgabe, seinen bestimmten Lebensplan noch nicht gefunden hat, weisen in erster Linie doch Erfahrungen seinen Weg.

Nur durch Erfahrungen gewinnt man die Erkenntnis seiner Bestimmung.

Und durch Erfahrungen gewinnt man auch die Auffassung, dass Kreativität davon abhängt, nicht in der „Identitätsschleife gleich Dauerschleife“ festzustecken. Sich heute viele Identitäten zu leisten, um vielen Möglichkeiten gegenüber offen zu sein, ist bereits Luxus. Zum Beispiel stecken in vielen Glaubenssätzen und Bekenntnissen ein „Müssen“. Solche subjektiv empfundenen unbewussten Wahrnehmungen haben mit den wirklichen Gefühlen nichts zu tun. „Muss“ ist gleich der Empfindung, aber entspricht nicht dem wirklichen inneren Gefühl.

„Ich muss“ hat nichts mit dem zu tun, was ich wirklich will.

Aber um zu wissen, was man tut und tun will, ist es erforderlich, sich zu entwickeln und zu wachsen. Wer also seinen Beruf oder seine Tätigkeit nur als reine Arbeit oder Lebensunterhalt empfindet, kann nicht zu dieser Einheit gelangen. Das ist schwierig.

Sich für etwas entscheiden und etwas wählen, führt nicht automatisch zur Selbstbestimmung. Ein selbstgewählter Weg ist nicht unbedingt selbstbestimmt. Und man ist es auch nicht, wenn man sich einmalig für etwas oder dagegen entschieden hat. Das Wie ist entscheidend für Selbstbestimmung, nicht das Warum.

Der selbstbestimmte Weg ist daher die Entscheidung, sich immer von innen nach außen gerichtet zu bewegen, zu verbinden und zu verwirklichen. Das ist der zweite Schlüssel. Wer sich aber den andauernden Reizen, die von außen kommen, ablenken und beeinflussen lässt, liefert sich entweder einer anderen Instanz aus oder muss sich andauernd davor schützen. Deshalb verlieren wir uns oft auf dem Weg. Wie kann der moderne Mann in unserer schnelllebigen Zeit des Wandels, der Fülle und Produktivität seinen inneren selbstbestimmten Weg finden? Wo er doch geradezu auf eine erneute Abhängigkeit hinsteuert, nämlich die der neuen hinzugekommenen Familienbindung, die sich aus dem neuen weiblich dominierten Konservativismus ergeben hat.

Konkret muss das Interesse da sein, um sich aus seinem „Schattendasein“ und seinem kulturell und gesellschaftlich wirkenden Narrativ herauszuschälen.

Denn die Idiotie einer „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ – Geschichte herrscht weiterhin in den Köpfen vieler Männer vor. Und auch wenn sie es nicht zugeben wollen: Viel Geld verdienen gehört bei den meisten Männern doch noch zum Erfolgswert dazu. Der materielle Ausdruck für diesen Wert beherrscht die männliche Mehrheit. Dadurch, dass der Mann so viel arbeitet, will er doch „erfolgreich“ werden. Und wenn nicht, was dann? Plakative in den Medien zeigen auf, wie der Mann erfolgreich werden kann, um seinen Statussymbolen weiterhin zu folgen. Auch wenn diese noch so nützlich scheinen, eines tun sie gewiss: vom Weg zur Selbstbestimmung ablenken. So wie die Suche nach der Einheit (von Selbst und Bestimmung) nach innen gerichtet ist, kann der Weg der Selbstbestimmung von dort nach außen gelangen. Dazu muss der Mann sich auch von seiner materiellen Autonomie lösen.

Erst, wenn der Mann sich frei von etwas macht, beginnt der eigentliche Weg, um herauszufinden, was seine wirklich gefühlte Aufgabe, seine Bestimmung ist, die zu Erfüllung führen kann.

Das Grundmodell unserer Gesellschaft ist zweifellos die Gebundenheit an Arbeit. Freiheit oder Unabhängigkeit, die nichts mit Geld gemein haben, kommt selten vor. In Ausnahmen kommen Ruhe, Entspannung, Natürlichkeit hinzu. Für jeden, der in seiner Vorstellung auch den Wert der Unabhängigkeit von Arbeit und Eigentum erkennt, ist Selbstbestimmung ein Weg dieser Freiheit. Manchmal genügt sogar schon eine einzige Frage, um jene Vorstellung von einer selbstbestimmten Aufgabe in Gang zu setzen, die wiederum die Struktur seines Wesenskerns nachhaltig verändert. Schon allein die Frage „Was ist überhaupt mein Wert?“ gibt eine Orientierung oder Ausrichtung für solch eine Veränderung, die Sinn und Kraft verleiht. In der Realität können wir nicht wirklich frei sein, ohne diesen inneren Wert zu bestimmen und zu kennen. Der Weg ist, möglichst seinen Wert oder seine Werte zu schaffen, die sich grundlegend auf ein erstrebenswertes Leben ausrichten. Und ein hohes Einkommen hat damit nichts zu tun. Eigentum übrigens auch nicht. Dabei spielen Ziele zunächst keine Rolle. Was ist also zu tun, um selbstbestimmt leben zu können?

Sich selbst zu erkennen, etwas Sinnvolles zu tun, sich selbst von innen heraus zu begreifen, das ist ein langwieriger und unbequemer Prozess, der unmittelbar mit seiner Identität bzw. seinen Identitäten zu tun hat. Zwischen Abhängigkeit von gesellschaftlichen Zwängen und der Abhängigkeit von Begierden bewegen wir uns meistens hin und her gerissen. Um dieser „irrtümlichen“ Bewegung ein Ende zu setzen, gibt es nur eines: seiner Bestimmung zu folgen.

Der Mann in unserer Gesellschaft versteht Unabhängigkeit zum größten Teil als materielle Autonomie. Frauen hingegen bevorzugen größtenteils eine Selbständigkeit, die ihrem Selbst entspricht. Die Rolle von Emotionen und des Unterbewussten in Entscheidungsprozessen wird weiterhin bestimmend für Konflikte sein. Frauen können zwar leichter von ihren Werten und Emotionen auf einen möglichen gemeinschaftlichen Konsens schließen, der eine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Orientierung und Zuversicht vermittelt. Das nötige Maß an Selbstbestimmung innerhalb der Beziehungen von Mann und Frau fehlt trotzdem weiterhin.

Wie wir uns mit etwas verbinden, ist wichtiger als warum, und der entscheidende Leitfaden für den Weg zur Selbstbestimmung. Damit langfristig eine innere Ruhe und Harmonie auch innerhalb der Gesellschaft und in der Welt entstehen können und innerlich erhalten bleiben, ist es eine grundlegende Aufgabe, seine Lebensbestimmung als einen Kernwert zu kennen, die unabhängig von den jeweiligen gesellschaftlichen Trends und Strömungen ist. Woher weiß ich also, wann ich selbstbestimmt bin? Dann, wenn die Selbstbestimmung der Weiterentwicklung des Bewusstseins dient. Und wenn die eigenen Werte und Gefühle von einem möglichen Inneren Selbst auf einen möglichen gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens schließen lassen. Von innen nach außen gerichtet, nicht umgekehrt. Diese Entwicklung dient dem wahren Glück, dem Sinn in der Welt und der persönlichen Erfüllung.

Manchmal reicht es aber schon, einfach nur das zu tun, was man wirklich will.

Und ein hohes Budget braucht man ganz sicher nicht dafür!

Maha Kama
Autorin der Buchreihe „Sensuel Balance – Wege einer neuen Männlichkeit“
Expertin für Berührung und Entspannung
www.sensual-balance.com

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