Mut zur Wut

(Von Margot Steiner)

Vielen Mädchen meiner Generation war es nicht oder sehr selten erlaubt, wütend zu sein. Es schickte sich einfach nicht. Der körperliche und verbale Ausdruck von Wut und Zorn war nicht erwünscht und wurde oft schon im Keim erstickt. Ein Mädchen sollte damals möglichst unauffällig, lieb und hilfsbereit sein. Traurigkeit wurde akzeptiert, Wut und Zorn eher nicht. So wuchs ich, wie viele andere Mädchen auch, mit jeder Menge ungelöster Wut im Bauch auf und wunderte mich manchmal, wie sie sich am falschen Ort zur falschen Zeit, oft auf sehr unangenehme Weise Ausdruck verschaffte.

Die Wut ist ganz eng mit dem Ärger verwandt, geht aber viel weiter und tiefer als das Ärgergefühl.

Der zu Grunde liegende Sinn beider Gefühle ist eine Veränderungsabsicht, die gesehen und vor allem gelebt werden möchte.

Im Gegensatz zur Wut ist der Zorn auf Personen oder Umstände zielgerichtet.

Es braucht also eine gewisse Portion an Maßlosigkeit, um seine Wut adäquat auszuleben, um das Feuer auch lodern zu lassen. Wenn es aber nicht gelingt, das Feuer zu löschen, lodern diese Flammen der Wut im Alltag weiter und es nährt sich immer wieder aus sich selbst. Kleine Anlässe können dann zur Explosion führen. Diese Art von Unberechenbarkeit und die Ganzheitlichkeit, mit der uns das Gefühl von Wut erfasst, sind oft der Grund, sie gar nicht erst aufflammen zu lassen.

Menschen, die ihre Wut nicht ausleben können, tauschen sie manchmal gegen ein anderes Befinden ein.

Oft ist es Leere oder eine Form von Traurigkeit, die einfacher auszuhalten ist, als die bedrohliche, unkontrollierbare Wut.

Ich habe mehrere Männer erlebt, die ihre Wut gegen intensive Arbeitsleistung eingetauscht haben, ein einigermaßen riskanter Tauschhandel, wie ich finde.

Ich plädiere für viel mehr Mut zur Wut, sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei uns Erwachsenen.

Schauen wir hinter die Kulissen dieses starken Gefühls und erforschen, welcher Wunsch nach Veränderung hinter der Wut steckt. Welche Situation oder welcher Umstand überschreitet gerade die Zumutbarkeitsgrenze und möchte verändert werden?

Mehr Mut zur Wut gibt uns die Chance, noch mehr in die Handlungsfähigkeit zu kommen.

Bedürfnisse werden ernst genommen, anstatt unterdrückt zu werden.
Die geniale Folge: Selbstwirksamkeit und Authentizität.

Margot Steiner, Lebensberaterin, www.aloha-klang.at

 

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