Schlafstörungen: Die neue Volkskrankheit?

(Von Monika Richrath)

Laut DAK-Gesundheitsreport aus dem Jahr 2017 geben 80 % der Erwerbstätigen an, unter Schlafstörungen zu leiden. Seit 2010 sollen Schlafstörungen bei Berufstätigen in der Altersgruppe von 35 bis 65 Jahren um unglaubliche 66 % angestiegen sein. Knapp jeder zehnte Arbeitnehmer soll unter schweren Schlafstörungen leiden. Die Hälfte aller Erwerbstätigen sei tagsüber müde und ein Drittel regelmäßig erschöpft.

Warum können wir nicht mehr problemlos schlafen? Früher traten Schlafstörungen nicht so häufig auf und haben uns auch nicht in solchem Maß verstört, wie es heute der Fall ist. Da wir heutzutage um die Folgen von Schlaflosigkeit und Schlafstörungen wissen, ist uns bewusst: Wir müssen schlafen – und wenn wir nicht einschlafen können, dann bereitet uns dies noch zusätzlichen Stress. Die Angst vor der Schlaflosigkeit ist weit verbreitet.

Bei der Suche nach Ursachen landen wir sicherlich bei unserer modernen, von Technologie diktierten Lebensweise. Doch ich glaube, das ist ein wenig zu kurz gegriffen. Natürlich gibt es unzählige Ursachen für Schlafstörungen. Hier nur ein paar wenige Hinweise für einen gesunden Schlaf:

1. Treffen Sie Entscheidungen

Wenn Sie etwas tun, dann stehen Sie bitte auch dazu. Entscheiden Sie sich dafür – zweifeln Sie nicht. Damit guter Schlaf kein Problem darstellt, gilt es grundsätzliche Lebensentscheidungen zu treffen. Ohne diese Entscheidungen wird es uns schwerfallen, unseren Alltag konsequent umzusetzen. Dabei handelt es sich im Grunde genommen um eine sehr einfache und natürliche Handlungsweise. Wenn Sie erst einmal Entscheidungen getroffen haben, werden Sie verblüfft feststellen, wie Selbstzweifel langsam aber sicher verschwinden. Ihr Leben wird ruhiger. Ihr Schlaf ebenso.

2. Sie müssen nicht unbedingt durchschlafen

Vor langer Zeit hatten Menschen keine Zentralheizung. In ihren Häusern war es kalt, also schliefen die Menschen zusammen in einem Raum und gaben sich so Wärme und Geborgenheit. Auch das Vieh hielt sich im gleichen Raum auf wie die Menschen. Es liegt auf der Hand, dass Mensch und Tier einander im Schlaf gestört haben müssen, denn viele Menschen machen viele Geräusche und die Tiere sicherlich auch. Da war vermutlich auch nicht allzuviel mit die ganze Nacht durchschlafen.


MONIKA RICHRATH
Die Geheimnisse des gesunden Schlafs
Ursachen für Schlafstörungen entdecken und auflösen, ISBN: 978-3-9819383-8-8


Aber auch ganz andere Umstände waren damals anders. Man ging bei Sonnenuntergang schlafen und stand mit dem Sonnenaufgang auf, es gab kein künstliches Licht, das unseren Schlaf- und Wachrhythmus, und damit auch die damit verbundene Hormonproduktion von Melatonin und Serotonin, durcheinanderbrachte.

Es ist also durchaus anzunehmen, dass viele Menschen immer wieder einmal während der Nacht aufwachten und wieder einschliefen und trotzdem am nächsten Tag ausgeruht waren. Aber nur dann, wenn Sie nach dem Aufwachen nicht begannen, sich wie verrückt Gedanken zu machen über Gott und die Welt. „Ich muss noch … und … muss ich auch noch …. und …. hat schon wieder …warum macht …?“ Lauter Stressgedanken, die den Körper im Nullkommanichts mit Adrenalin fluten und dann ist es natürlich vorbei und an Schlaf nicht mehr zu denken. Es soll im Übrigen normal sein, dass wir nachts unbewusst bis zu 30 Mal aufwachen. Wenn Sie also merken, dass Sie aufgewacht sind, drehen Sie sich am besten einfach rum und versuchen, dahin zurückzugehen, wo Sie hergekommen sind.

3. Bleiben Sie bei Ihrem Schlafrythmus

Für Ihren Körper ist es viel angenehmer ist, kurzfristig mit weniger Schlaf auszukommen, als seinen Schlafrhythmus durcheinanderzubringen, nur um etwas Schlaf nachzuholen.

Wenn ich zum Beispiel aus war und erst spät ins Bett gekommen bin, sagen wir mal um zwei oder drei, habe ich am nächsten Morgen versucht, länger zu schlafen. Vermutlich kennen Sie selbst das Phänomen, dass man am Samstagabend ausgeht, am Sonntagmorgen lange schläft, am Sonntagabend dann nicht einschlafen kann (aufgrund des langen Schlafes am Morgen) und am Montagmorgen völlig unausgeruht ist. Dabei liegt das ganze Geheimnis einfach nur darin, auch am Sonntagmorgen zur gleichen Uhrzeit wie immer aufzustehen, ganz egal, wann man ins Bett gegangen ist. Das funktioniert wirklich, ich habe es ausprobiert. Für den Körper ist es am besten und einfachsten, dass Dinge regelmäßig geschehen, in diesem Fall also, dass man möglichst zur gleichen Zeit ins Bett geht und wieder aufsteht. Jedenfalls ist man am Montagmorgen ausgeschlafener.

4. Die richtigen Getränke und Nahrungsmittel

Gerade falsche Getränke und Nahrungsmittel machen dem Körper in der Nacht zu schaffen und stören unseren Schlaf. Sie merken es daran, wenn Sie häufig gegen 2 Uhr morgens aufwachen. Die Leber ist das Organ für den Abbau von Stoffen, die für den Körper belastend sind oder nicht mehr benötigt werden, z. B. Stoffwechselendprodukte, Medikamente, Hormone, Alkohol usw. Die Leber arbeitet am intensivsten zwischen 1 und 3 Uhr in der Nacht.

Natürlich ist es auch nicht egal, wann ich etwas esse und trinke. Anregende Getränke wie Kaffee, schwarzer oder grüner Tee oder Softdrinks mit viel Zucker sollten nicht abends getrunken werden. Es lohnt sich ganz unbedingt, hier einmal ein bisschen herumzuexperimentieren und seine ganz persönliche Grenzzeit herauszufinden. Es kann nämlich sehr gut sein, dass die von offziellen Stellen empfohlene Uhrzeiten einfach nicht passen. Ich selbst bin ja eine Liebhaberin von grünem Tee und habe bis vor relativ kurzer Zeit diesen noch bis zum Abend hin getrunken. Eine ganz wesentliche Besserung ist eingetreten, als ich erkannte, dass meine persönliche Grenzzeit für anregende Getränke bei 14 Uhr, ganz maximal 15 Uhr liegt, also ca 7 bis 8 Stunden vor dem Schlafengehen!

5. Achten Sie darauf, mit was Sie Ihren Geist füttern

Unser Körper braucht ungefähr zwei Stunden, um sich abends herunterzufahren und auf die Nachtruhe vorzubereiten, aber meistens gönnen wir ihm diese Ruhe nicht. Wir sehen fern, beschäftigen uns mit dem Computer, Handy oder Laptop (alles Geräte übrigens, die blaues Licht abstrahlen, was wach macht). Vielleicht sehen wir uns etwas Spannendes oder Aufwühlendes an, lesen oder arbeiten noch bis kurz vor dem Schlafengehen. Alles Dinge, die Stress bedeuten – für unseren Körper und unsere Psyche. Wenn wir in diesem aufgeregten Zustand ins Bett gehen, lässt der Schlaf natürlich auf sich warten, wir müssen uns zunächst ja wieder beruhigen. Ein Buch (kein Krimi) oder ein Abendspaziergang ist sicher besser geeignet zum Herunterkommen.


Monika Richrath
Coach und Klopfakupressur-Therapeutin
www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de
Autorin von „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

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