TRAUMA: Der innere Umgang mit einer äußeren Belastung

(Von Caroline Makovec)

Was wir Trauma nennen, ist nicht etwas, das dir im Außen passiert, sondern es bezieht sich auf deinen inneren Umgang mit einer belastenden äußeren Erfahrung.

Wie geht es dir bei diesem Gedanken?

Früher hätte ich vermutlich gesagt, dass das so nicht stimmt. Denn schließlich kann Missbrauch – sei er körperlicher oder emotionaler Natur, emotionale Gewalt, Vernachlässigung, Mobbing, aber auch Naturkatastrophen, der Verlust von Hab und Gut, der Tod eines geliebten Menschen, eigene Krankheit usw. ja wohl als etwas angesehen werden, das mir im Außen passiert, zustößt, über das ich keine Kontrolle habe, dem ich ausgeliefert bin.

Und doch gibt es Menschen, die diese belastenden äußeren Erfahrungen vielleicht nicht gerade wegstecken, aber als Teil ihres Lebens verbuchen den sie zwar nicht bewusst herbeiwünschen würden, aber mit dem sie einen Umgang finden. Sie integrieren ihn nach einer Zeit der liebevollen Auseinandersetzung mit sich selbst in ihre Lebensgeschichte und schließen früher oder später damit Frieden, ohne dass ihre Psyche darauf mit einer „traumatischen Erlebnisverarbeitung“ (PTBS,…) reagiert.

Warum ist es nun also so, dass manche Menschen solche einschneidenden Erfahrungen nahezu „unbeschadet“ überstehen während andere über Jahre ihres Lebens schwer unter den Folgen derselben zu leiden haben?

Und ich spreche hier von belastenden Erfahrungen im Erwachsenenalter – denn auch wenn Kinder ganz unterschiedlich mit schweren Belastungen umgehen, haben sie doch noch nicht die Fähigkeit darüber zu reflektieren und sich ggf. der Situation zu entziehen, wie wir Erwachsene sie meist haben. Und deshalb sind sie z.B. im Falle von Missbrauch real oft gefangener, hilfloser den Menschen ausgeliefert, von denen sie eigentlich Schutz, Liebe und Halt erfahren sollten.

Ich glaube – und das ist lediglich meine Meinung als selbst Betroffene – dass wir oft deshalb in potentiell traumatischen Erfahrungen hängenbleiben, weil wir (noch) in die Opferrolle rutschen und unseren Anteil daran (noch) nicht sehen können oder wollen.

Und das heißt jetzt nicht, dass du daran schuld bist, wenn dir etwas Schlimmes passiert. Aber du darfst darüber nachdenken, was es mit dir zu tun haben könnte – ob da noch alte Muster, Prägungen, Verstrickungen am Wirken sind, die es heißt mehr und mehr aufzulösen, um dir letztlich im Außen nicht immer wieder die gleichen Geschichten zu manifestieren. Andererseits ist es auch ein Prozess immer mehr zu dem Bewusstsein zu erwachen, dass schwierige, äußere Erfahrungen AUCH ein Geschenk in sich bergen – nämlich das Potential immer mehr und mehr Klarheit darüber zu bekommen wer du eigentlich bist, wie wertvoll du bist, wie du für dich mehr und mehr ein stimmiges, erfüllendes Leben erschaffen kannst und dass all das Schwere, das Leichte, das Schlimme und das Schöne (wenn wir noch in diesen Bewertungen denken wollen) dich dorthin gebracht haben, wo du jetzt bist.

Nämlich auf dem Pfad des Erwachens aus der Identifikation damit, was du – aufgrund dessen, was dir im Leben passiert ist oder passiert – zu sein glaubst, hinein in die Erkenntnis, dass in diesem Leben die Verantwortung über den Umgang mit allem was dir widerfährt nur bei dir liegt.

Ja, es passieren im Leben von jedem/jeder Einzelnen von uns Dinge, die wir als Herausforderungen bezeichnen können, die wir uns – wären wir ganz bewusst – so nicht in unser Leben gezogen hätten. Und doch bergen all diese Herausforderungen einen Schatz in sich, wenn wir bereit sind genau hinzusehen: das Erkennen unseres wahren Potentials, unserer wahren Natur fernab von den Bewertungen unseres Verstands, der uns mit Fragen quält wie:

Wie konnte mir das passieren?

Was hab ich falsch gemacht?

… und der uns durch dieses zusätzliche Abwerten von uns selbst letztlich noch tiefer in Gefühle von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Machtlosigkeit hineinzieht aus denen es dann scheinbar kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

Hinter all dem Wirrwarr den unser Verstand oft sekündlich produziert liegt ein Ort absoluter Ruhe, tiefen Friedens, tiefer Liebe der nur darauf wartet von dir wieder entdeckt zu werden, damit du dich besinnen kannst darauf was du eigentlich bist und schon immer warst. Reines, bedingungsloses Sein, göttlicher Funke, ein strahlendes Licht geboren aus der Unendlichkeit des Universums und damit selbst ohne Anfang und ohne Ende.

Es ist Zeit, wieder in dieses Bewusstsein zu erwachen.


Caroline Makovec, Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Coach,  www.psychologie-makovec.at

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.